Landtagung 2018 Falera

 

 

 

Die Pro Raetia widmet sich dem Thema Zweitwohnungen.

An seiner Landtagung in Falera stellte der Verein Pro Raetia am Samstag das Thema «Erstwohner – Zweitwohner» ins Zentrum. Die unterschiedlichen Standpunkte wurden an der Tagung verhandelt – und mögliche Wege für eine bessere Zusammenarbeit vorgestellt.

Das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zweitwohnungsbesitzern bestimmt seit einiger Zeit immer wieder die Diskussionen in Graubünden. Während sich Gemeinden und Tourismusorganisationen vor dem Problem sehen, teils in die Jahre gekommene Infrastrukturen finanzieren respektive erneuern zu müssen, werden Besitzer und Besitzerinnen von Zweitwohnungen oftmals mit steigenden Abgaben konfrontiert.

Falera war deshalb ein besonders geeigneter Ort für die Diskussion, weil es mit rund 80 Prozent den höchsten Anteil Zweitwohnungen im ganzen Kanton besitzt. Sandra Chistell Omlin, Mitglied des Gemeindevorstandes, betonte in ihrem Grusswort die hohe Bedeutung des Tourismus für die lokale Wirtschaft. Während den Spitzenzeiten wachse die Einwohnerzahl von 600 auf bis zu 4000 Menschen an, und die Infrastruktur müsse sich nach dieser Grösse richten. „Und doch ist Falera auch ein Bauerndorf geblieben, wo noch immer neun Betriebe ansässig sind.“

Aus verschiedenen Blickpunkten stellten Vreni Müller-Hemmi und Claudia Troncana die Zweitwohnunsgproblematik dar. Erstere ist Präsidentin der IG Tujetsch, in der sich über 250 Zweitwohnungsbesitzer organisiert haben. Ziel sei einen besseren Dialog zwischen Gemeinde und Zweitheimischen zu ermöglichen.

Claudia Troncana war bis Ende 2016 Gemeindepräsidentin von Silvaplana und damit eng mit der Problematik vertraut. Sie schilderte den langen Weg, der das schliesslich abgelehnte Gesetz für eine Lenkungsabgabe auf Zweitwohnungen in ihrer Gemeinde nahm. Mit eindrücklichen Zahlen erklärte die alt Grossrätin, wie das Verhältnis zwischen den Abgaben von Einheimischen und Auswärtigen an die Staatsfinanzen sind und welche Spannungen sich daraus ergeben. Sie sagte: «Wir wären froh gewesen, hätte es bei uns damals eine IG der Zweitwohnungsbesitzer gegeben.»

In der anschliessenden Podiumsdiskussion gesellten sich Marcus Caduff, designierter Bündner Volkswirtschaftsdirektor, Reto Fehr, Präsident IG Zweitwohnungseigentümer Flims, Laax, Falera und Norbert Hörburger, Dozent an der HTW Chur, hinzu. Hörburger setzte die Diskussion in einen grösseren Zusammenhang. Der alpine Tourismus sei einem starken Wandel unterworfen, zudem seien viele Zweitwohnungen demnächst sanierungsbedürftig, über die Nachfolge der Eigentümer sei auch vieles im Unklaren. Caduff wiederum betonte die Bedeutung des Dialogs im lokalen Rahmen für eine Lösung des Konflikts. Eine aktive Rolle des Kantons sieht er aber nicht als zielführend an.

Yvonne Brigger, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden, stellte in ihrem abschliessenden Referat mögliche Lösungen vor, wie Zweitwohner besser in die Entscheidungsfindung involviert werden könnte. Auch sie plädierte dafür, den Weg des Dialogs zu suchen und diesen wenn irgend möglich zu institutionalisieren.
Der Verein Pro Raetia sehe sich als eine Organisation für Graubünden, die sich auch den relevanten Themen im Kanton annehmen werde, sagte Vorstandsmitglied Andreas Victor Walser. Dementsprechend wird sich der Verein auch künftig mit dem Thema „Erstwohner – Zweitwohner“ auseinandersetzen.

Kontakt: Johannes Flury, Präsident Pro Raetia 079 768 28 76