Landtagungen

Landtagung 2017 im Bergell

 

                                                                              

                      

        

Wasserkraft hat Zukunft – neue Wasserzinsregelung in Sicht

Podiumsdiskussion mit Fachpersonen unter Einbezug des Publikums. Die Landtagung der Pro Raetia fand am Wochenende in Soglio statt. Zur Früherkennung von aktuellen Problemen leistet die unabhängige Organisation einen Beitrag.

Der Lichtschalter gehört für uns zum minimalen Luxus. Mit diesem Beispiel konnte ein brennendes Thema eröffnet werden. Und das ausgerechnet im Bergell, wo der Bergsturz bei Bondo die Stromversorgung, die Trink- und Abwasserleitungen vieler Häuser zerstört hat. Die Gemeindepräsidentin Anna Giacometti ist in dieser Krisensituation, da über hundert Menschen nicht in ihre Häuser zurückkehren können, mit elementaren Aufgaben beschäftigt und äusserte sich zum Thema: “Die Wasserzinsen haben für das Bergell eine grosse Bedeutung. Die Anteilnahme und Hilfe von aussen gibt uns in dieser Zeit Mut. Wir brauchen Gäste für die Gastronomie und das Gewerbe… Wir haben gute Leute, die für und kämpfen. Wir glauben an die Zukunft.“

„Was wird aus unseren Tälern, wenn die Wasserzinsen wegfallen?“ So lautete das Thema der diesjährigen Tagung unter der Leitung des Präsidenten Johannes Flury, Schiers. Mehrere Bündner Täler sind wie das Bergell von den Wasserzinsen abhängig. Je dezentraler eine Gemeinde liegt, desto wichtiger sind die Wasserzinsen. Bei einem Rückgang oder gar Abschaffung derselben käme ein Teil des Kantons unter die Räder. Vieles ist von diesen Zinsen abhängig.

Einheimische Energiequelle Wasserkraft

Im informativen Vortrag von Regierungsrat Mario Cavigelli wurde klar, dass der Wasserzins keine Steuer, sondern eine Entschädigung für die Nutzung der Wasserkraft eines Gewässers seitens der betreffenden Unternehmung ist. Der Betrag wird durch den Kanton innerhalb der Schranken des Bundesrechts festgelegt. Die heutigen Abmachungen sind bis Ende 2019 befristet und bedürfen einer Neuregelung, welche die Ressource Wasser „fair“ entschädigt. Die Wasserkraft hat Rentabilitätsprobleme wie zum Beispiel die Senkung des Strompreises seit 2008, tiefe fossile Energie- und CO2-Preise, Zubau erneuerbarer Energie, sowie der Wechselkurs Schweizerfranken/EURO. – Martin Roth, Leiter Elektrizitätswerk Zürich, erinnerte an den schrittweisen Ausstieg aus der Kernkraft bis zum Jahr 2034 und an den Ausbau erneuerbarer Energien von Windkraft und Photovoltaik. – Werner Hediger, Professor für Wirtschaftspolitik HTW, weist auf zukunftsweisende Projekte der Studenten hin, die seitens der Politik oft nicht wahrgenommen würden.

Verflechtung in allen Bereichen

Es fehlt an Transparenz. Wer macht die Gewinne? Während der spannenden Diskussion kamen wichtige Punkte zur Sprache wie die Versorgungssicherheit der Bevölkerung, unterschiedliche Strompreise, Interessenskonflikte mit dem Naturschutz und anderen Gruppierungen oder Auswirkungen des Klimawandels auf die fossile Energie. Die Klimapolitik führt zur Zunahme der Stromanwendung bei Elektromobilität, Wärmepumpen etc. Es gibt Vieles zu erforschen und zu entwickeln im Bezug fluktuierende Einspeisung, Netzengpässe, Stromspeicherung. Die Verflechtungen sind fast unüberschaubar. Das Stromnetz ist mit unseren Nachbarländern dicht verbunden und sorgt beim Handelsprodukt Energie zu Abhängigkeiten.

Gesprächsbereitschaft auf Augenhöhe

Viele Fragen bleiben offen! Die einflussreichen Gesprächspartner aus Politik, Forschung und Wirtschaft waren sich jedoch einig, dass man Partnerschaften zwischen Gebirgskantonen und Konzernen bilden müsse. Wasserkraft habe Zukunft. Die Gesprächsbereitschaft         auf allen Ebenen sei wichtig. Mario Cavigelli, Vorsteher des Bau-, Verkehrs-, und Forstdepartementes Graubünden und in höherer Mission für Energiewirtschaft tätig, sagte: „Bei solchen Diskussionen mit Partnern und Publikum lerne ich stets dazu.“

Rahmenprogramm der Tagung

Der Ort wurde lange vor der unberechenbaren Bergsturzkatastrophe ausgewählt sowie das Hotel Soglina gebucht. So wurde diese Tagung auch zum Zeichen der Solidarität mit der heimgesuchten Gemeinde Bregaglia. Ein reichhaltiges Spezialitäten-Nachtessen wurde mit herrlich erfrischenden Liedern des Männerchors „La Compagnia“ begleitet. Am Sonntag besuchte die eine Gästegruppe das Museum Ciäsa Granda in Stampa, die andere wanderte nach Castasegna zu einer Führung durch die „Villa Garbald“. Abschliessend fand man sich im Hotel Krone Vicosoprano zum Mittagessen ein. Ein grosses Dankeschön geht an Lea Schneller und ihr Team, die den Anlass umsichtig organisiert hatten. – Pro Raetia ist für neue Mitglieder offen.

                                                                                                          Elisabeth Bardill

 

Die Landtagung wurde unterstützt durch den GKB BEITRAGSFONDS

und die Gemeinde Bregaglia

 

 

 

 

 

 

 

Landtagung 2016 in Disentis

casanova-parolini-giacometti            abendppause

 

Starke regionale Zentren – kleine schwache Dörfer

Die diesjährige Landtagung der Pro Raetia fand in Disentis statt. Neben dem Tagungsthema gab es Führungen im Kloster, im Dorf und in der Manufaktur Zai AG.

Pro Raetia wurde 1949 gegründet. Sie versteht sich bis heute als Drehscheibe, Diskussionsforum und Ideenbörse. An ihren Landtagungen stehen aktuelle Themen im Vordergrund. Persönlichkeiten aus der Regierung, den Regionen und Dorfgemeinschaften kommen jeweils zu Wort, je nach Schwerpunktthema. Immer geht es um Entwicklung von Lebensqualität, Wirtschaft und Kultur im ganzen Kanton. Johannes Flury, Präsident der Vereinigung, führte beim öffentlichen Anlass durch die Darstellungen, Vergleiche und Verbesserungswünsche der Rednerin und der Redner.

Stärkung des ländlichen Raums

Gegenwärtig verändern sich die Strukturen vieler Dörfer durch Gemeindefusionen. Regierungsrat Jon Domenic Parolini informierte über den Ist-Zustand. Es gäbe viele Unsicherheiten wegen der Wasserkraft, Tourismus oder dem Zweitwohnungsbau. Beim Tourismus falle die Kurve stark ab, die Wirtschaft wachse deutlich weniger als noch vor zwanzig Jahren, obwohl die Warenausfuhr grösser geworden sei. Je näher der Standort eines Unternehmens bei Chur und Umgebung liege, desto grösser sei der Bevölkerungszuwachs in den betreffenden Gemeinden. Der Magistrat sagte deutlich: „Die Regierung hält an der dezentralen Entwicklung fest. Sie beurteilt und gewichtet die Gesuche aus dem ländlichen Raum unter diesem Ansatz und stärkt die Vorhaben mit Beiträgen.“ Es stünden weitere Aufgaben an wie die Erneuerung der Beherbergungsstrukturen, die Stärkung des Wohnstandortes, die Optimierung von Versorgung und Verkehrsanbindung, die Vernetzung einzelner Ortschaften, die Attraktivität für Neuzuzüger, die Zusammenarbeit mit Grenzregionen im Wissen, zu welcher Region man selber gehöre. Die Herausforderung sei, Nischen im Gewerbe- und Industriesektor sowie in der Spezialitätenproduktion zu finden. Parolini sieht dank gegenwärtiger Verhandlungen für die olympischen und paralympischen Winterspiele 2026 eine Chance für Graubünden.

Rand- und Grenzregion Bregaglia

Gemeindepräsidentin Anna Giacometti stellte die fusionierte Gemeinde vor. Man erfuhr, dass die Grenz- und Randregion ein Kultur- und Energieland ist, mit wenig Gewerbe und keiner Industrie. Dank der Wasserkraftzinsen kann die Gemeinde etwas für den Finanzausgleich tun. Giacometti erwähnte als Beispiel die aktiven Frauen in Castasegna, die drei Bibliotheken, den Jugendtreff in Castelmur und sieht eine hohe Verantwortung bei der Zusammenarbeit mit Italien. Nicht alles muss zentralisiert werden. Eine Gleichbehandlung der Dörfer ist wichtig. In der geschlossenen Talschaft ist die Verbundenheit der Bevölkerung schon immer dagewesen, was die Fusion erleichtert hatte.

Die Solidarität leben

„Die wirtschaftliche Entwicklung der Berggebiete muss wieder eine Priorität des Bundes werden. Die Solidarität muss gelebt werden. Wir brauchen die Landwirtschaft, damit die Landschaft nicht verwaldet.“ Aurelio Casanova, Gemeindepräsident von Ilanz, das sich jüngst mit 12 andern Gemeinden zusammengeschlossen hat, sprach eindringlich über Widersprüche bei der Entwicklung. Die Kumulierung der Arbeitsplätze in der Stadt und ihrem Umfeld nehme zu, in der Surselva habe man es schwer, Fachkräfte zu halten. Viele der jungen Leute würden nach einer guten Ausbildung und Anstellung über kurz oder lang von den Rahmenbedingungen in der Stadt angezogen, was oft zum Verlust der Identität führe. „Identität kann man politisch nicht schaffen, sie muss gelebt werden. Die Leute müssen sich bei uns wohlfühlen. Wir brauchen sowohl in der Surselva wie in andern Regionen Visionen, Glauben an die Zukunft, Durchhaltewillen und Eigeninitiative.“

Disentis im Aufwind

Allen Unkenrufen zum Trotz lernte man ein wunderschönes Dorf im Aufwind kennen: Renovierte, blumengeschmückte Häuser, Hotels mit Hochbetrieb, sattgrüne Wiesen mit weidendem Vieh… Die Führung im Kloster mit Pater Theodor führte in eine andere, teils verborgene Welt hinein. In der Manufaktur Zai Ski erkannte man die Erfüllung einer Vision, wie sie Aurelio Casanova in seiner Rede skizziert hatte. Die Tagung führte durch die Hochs und Tiefs bei Fragen der Verwurzelung im Dorf oder des Weltbürgertums. Wie weit kann Geld Marktkräfte steuern? – Corin Courschellas brachte mit Volkslieder und -weisen nochmals eine andere Seite der Bündner Kultur in die Pro Raetia-Runde.

Elisabeth Bardill

Landtagung 2015 in Splügen

Hinterrhein                              Wandergruppe am Surettasee

 

Pärke bildeten das zentrale Thema an der diesjährigen Landtagung der„Pro Raetia“.

Pärke bildeten das zentrale Thema an der diesjährigen Landtagung „Pro Raetia“. Der Naturschutzgedanke gewinnt zunehmend an Bedeutung und das zum Nutzen und zur Freude vieler Menschen.

„Pro Raetia“ Präsident Johannres Flury begrüsste die Mitglieder und Gäste im Bodenhaus in Splügen. – Otto Sieber, pensionierter Zentralsekretär von „pro natura“, zeigte im Einführungsreferat die Geschichte der Pärke auf . In Graubünden befinden sich die Pärke „Biosfera Val Müstair“, „Parc Ela“ und der „Naturpark Beverin“ bereits in der Betriebsphase und können erste Erfolgsergebnisse in den Dörfern aufzeigen. Peter Müller, Geschäftsführer vom Parc Ela, sagte: „Es braucht Fakten, keine Verbote. Der Park ist für die Menschen geschaffen. Wir konzentrieren uns auf die Leute, die etwas bewegen wollen. Diese werden oft zu begeisterten Akteuren.

„parc adula“ im Visier 

Da 2016 die Abstimmung über den in der Errichtungsphase stehenden „parc adula“ in den 17 Gemeinden, die er umschliessen soll, stattfinden wird, beleuchtete Bundesrätin Eveline Widmer dieses Thema in ihrem Referat: „Der Mensch ist ein Teil der Natur, er lebt nicht im Gegensatz zu ihr. Das Zusammenwirken von Natur, Mensch und Wirtschaftsentwicklung ist wichtig. Die Bewohner einer Region müssen den Park wollen und über dessen Kategorie entscheiden. Es braucht eine funktionierende Trägerschaft. Dazu gibt es die Charta, welche die Ziele definiert. Wir wollen uns an den Vorteilen und nicht an den Einschränkungen und Nachteilen orientieren. Gewerbliches, landwirtschaftliches, touristisches und kulturelles Potenzial muss erkannt und eingebunden werden. Wo und wie soll die nächste Generation leben? Wir müssen Mut haben, um aufzubrechen!“ Die Spielregeln des Bundes wurden ausgelegt. Die finanzielle Unterstützung würde von einer stärkeren Zusammenarbeit der Bevölkerung in Bergregionen abhängen. Diese müsse aktiv werden. Es brauche jetzt Teamarbeit und weniger Einzelkämpfer, es brauche Begeisterung, um Risiken eingehen zu können. Graubündens Regierungspräsident Martin Jäger zog nach: „Die Entwicklung der Bündner Pärke muss von unten her wachsen. Zusammenarbeit hat eine Wirkung. Spricht der Bund höhere Beiträge, wird dies auch der Kanton tun.“

Unterschiedliche Stimmen

Vertreter des Bundes, der Kantone Graubünden und Tessin, der Gemeinden und der Interessengruppen führten eine intensive Podiumsdiskussion. Dabei kamen auch skeptische Gedanken zur Sprache.

Rahmenprogramm im Rheinwald versetzte ins Staunen

Die Dorfführung durch Hinterrhein mit Elisabeth Hasler-Stoffel, die Dialektlesung von der Schriftstellerin Erika Hössli sowie das köstliche Mittagessen im Bachhuuschäller von Johann Egger zeigten die kulturelle Vielfalt im kleinen Bauerndorf. Ideen wurden verwirklicht und liessen das spannende Leben in den engen Gassen und hinter den alten Hausfassaden erahnen. Vergangenheit  verband sich mit der Gegenwart. Als Höhepunkte empfanden einige die Wanderung bei strahlendem Herbstwetter mit Johann Menn zu den Surettaseen oder die Dorfführung in Splügen mit Sabina Simmen-Wanner. Der Busausflug über die Marmorbrücke, die historische Splügenpassstrasse zu den Galerien hoch und weiter nach Monte Spluga bis zur Staumauer, wo man in die Cardinellschlucht hinunter staunen konnte, stiess dank der Ausführungen von Paolo Mantovani auf grosses Interesse.

Elisabeth Bardill

 

Landtagung 2014 in Klosters

aufmerksame uhörer an der Landtagung 2014            Zurück von der Kutschenfahrt

Graubünden von aussen gesehen

Zum Thema der Tagung: Graubünden steht bekanntlich unter hohem wirtschaftlichem Druck. Die schwierige Weltwirtschaftslage, die periphere Lage Graubündens, das Problem bei derRekrutierung geeigneter Arbeitskräfte, das alles ist nicht neu, stellt aber unsren Kanton vor immer grössere Herausforderungen. Auch die Negativspirale im Tourismus, dem zentralen Wirtschaftszweig Graubündens, gibt vielen zu denken. Was tun, um diesen Herausforderungen zu begegnen?  “Um weiter zu kommen, muss einem hie und da der Spiegel vorgehalten werden.“ Dies, so hielt der Zentralpräsident in seiner Einleitung fest, sei das Ziel der diesjährigen Landtagung.

Die Referenten Dr. Hans Martin Schmid, Historiker und Journalist mit langer Auslanderfahrung, und der Emser Giulio Haas, der seit September vergangenen Jahres Schweizer Botschafter im Iran ist und in seiner Funktion dort auch die Interessen der USA vertritt, hatten die Aufgabe den Bündnern den Spiegel vorzuhalten. Ihre Aufgabe war es, der Frage nach dem Selbstbild und dem Fremdbild von uns Bündnern nachzugehen. Inwieweit stimmt das Bild, das wir von uns selbst machen, mit dem überein, das andere sich in der Kommunikation mit uns gemacht haben.

 

An der Landtagung der ProRätia „Graubünden von aussen gesehen“ hielt auch der frühere TV- Korrespondent und heutige Kolumnist des „Bündner Tagblatts“ Hansmartin Schmid ein Referat, von dem wir hier eine entsprechende Kurzfassung wiedergeben.

Ausgehend von einer Anektdote um Karl Marx, der als Nachfolger seines Vaters als Weinhändler in Trier pleite gegangen war und dem seine Mutter danach ins Stammbuch schrieb, statt sein Hauptwerk „Das Kapital“ zu schreiben, hätte er sich besser ums Kapital gekümmert, sagte Hansmartin Schmid, die Bündner seien traditionsgemäss die grossen Schreiber und Beschreiber und weniger die Naturwissenschafter, Unternehmer und Wirtschafter. Sie seien die grossen Romanisten, Juristen, Historiker, Dichter, Politiker und Erforscher des Geistes, weniger Unternehmer, die etwas unternehmen.

Abwanderung als logische Konsequenz

Daraus resultiere natürlich ein Mangel an höherwertigen Arbeitsplätzen für die Bündner Jugend, die eben wie immer ins Unterland oder ins Ausland zögen, dann aber ganz im Gegensatz zu früher nicht mehr zurückkehrten. Diese Abwanderung sei eines der Hauptprobleme Graubündens, verstärkt durch die Tatsache, dass es auch innerhalb Graubündens eine starke Abwanderung von den Tälern in die Zentren im erweiterten Rheintal von Thusis bis Schiers gebe. In den Dörfern, so erklärte Schmid, komme es dann zur berüchtigten „Bündner Spirale“: Kein Pfarrer mehr, kein Laden und keine Post mehr, keine Beiz, kein Verein und  bald einmal keine Schule und damit auch kein Lehrer mehr im Dorf. Dabei fehle es diesen Bündner keineswegs an Lob, an romantischen Beschreibungen des Dorflebens, der Architektur und der Landschaft. Als schlagende Beispiele nannte Schmid die beiden vielbesungenen, wunderschönen Bündner Dörfer Guarda und Soglio. Ueber beide gebe es ungezählte Fotobücher, Filme, ja sogar Dichtungen, aber beide hätten eben wegen der Abwanderung keine eigene Schule mehr. Graubünden fehlt es eben nicht einmal so sehr an Gästen, an Besuchern, an Ferienhaus- oder Wohnungsbesitzern, sondern an dauerhaft und für immer hier wohnender Bevölkerung. 

Graubünden als Rückzugsort für Städter

In einer Demokratie wie der schweizerischen, so folgerte Schmid, in der eben auch die Anzahl der Bürger immer wieder den Ausschlag gebe, nehme deshalb der Druck aus den Zentren auf ein Berggebiet wie Graubünden zu.

In den Zentren, mitten im Getriebe der Städte, der Fabriken, des Verkehrs und der vielen Menschen wolle man sich eben den Alpenraum zur eigenen Erholung möglichst frei und unberührt erhalten- oftmals ohne Rücksicht auf die immer dort wohnenden Menschen. Denn dort befände sich der Tourismus durch mannigfaltige Faktoren wie Euro-Schwäche, riesige weltweite Konkurrenz und „Schneeferne“ der jungen Generation in den Städten immer mehr in der Krise. Dies alles behindere eindeutig die vernünftige Entwicklung des Berggebietes, weil hier eben zwei ganz verschiedene Mentalitäten aufeinanderprallten. Denn immer wieder werde im Unterland und im nahen Ausland eben die Maxime vergessen – dies war die Quintessenz von Schmid“ Die ganze Veranstaltung mit dem schönen Namen Fremdenverkehr findet nicht nur statt, damit die Gäste den Plausch haben, sondern auch, damit die Einheimischen etwas verdienen.“